Ich nehm dich mit... (II)



16. August - Tag 4: Kandy

[...] Nach dem langen Rumlaufen in der Stadt und den verschiedensten Tempelbesichtigungen, kehren wir gegen Abend zurück in unser Hostel. Die Stadt ist wegen der Parade auch heute wieder komplett abgesperrt und von daher ist das mögliche Abendprogramm jetzt nicht mehr allzu variable. Wir kommen ins Gespräch mit einem Engländer und nach längerem Planen unserer nächsten Tagesetappen sind wir uns alle einig, dass jetzt ein kühles Bier genau das Richtige wäre. Allerdings herrscht in Kandy während der 10tägigen Feier "Esala Perahera" komplettes Alkoholverbot in der Stadt. Der Engländer erzählt uns aber, dass der Hostel"manager" schon mal Alkohol für andere Gäste organisiert hätte und so beschließen wir ihn zu fragen, ob das wieder möglich ist. Hätten wir gewusst, wie der Abend aufgrund dieser Entscheidung verlaufen würde, hätten wir uns mit einer Cola zufrieden gestellt... Wir fragen den überaus netten und hilfsbereiten kleinen Mann, der das Hostel eben schmeißt, also unschuldig wo wir den Bier bekommen können, worauf er uns erzählt, dass man dazu mit einem TukTuk aus der Stadt ins nächste Dorf fahren muss, wo die gesetzlichen Auflagen des Alkoholverbots von Kandy nicht hinreichen. Nach kurzem Hin und Her schlägt er uns dann einen Deal vor: er würde zusammen mit dem Engländer ein TukTuk nehmen und den Alkohol organisieren, wenn ich derweil sein Hostel übernehme, da er noch auf eine Person wartet, die noch einchecken muss. Preis fürs TukTuk 700 Rupien (~ 4Euro) und 350 Rupien (~2Euro) pro Bier. Nach einer kurzen Einweisung in sein Buchungssystem, den Schlössern zur Haupttür und dem Telefon düsen die Zwei also los, während ich hinter der Rezeption Platz nehme. Irgendwann kommt Lena vom Duschen und zusammen sitzen wir hinter der viel zu hohen Rezeption und lachen über die Irrsinnigkeit dieser Situation. Ich wollte ja schon lange mal ein Hostel managen... Alle paar Minuten laufen Leute dabei, die ungläubig reinstarren und uns mit großen Augen anschauen, teilweise sogar stehenbleiben oder vorbeilaufen und noch mal zurück kommen um noch einmal reinzuschauen, ob sie tatsächlich richtig gesehen haben... Keine Ahnung, was der Skandal genau ist - vielleicht weil wir weiß sind, vielleicht weil wir Frauen sind, vielleicht weil sie eigentlich wissen wer der Hostelmanager ist, oder vielleicht auch nur weil wir ziemlich witzig aussehen, wie wir da sitzen und nur unsere Köpfe über den Tisch reichen... Ansonsten kommen ein paar Leute vorbei um zu fragen um noch Betten frei sind, ein paar Leute wollen rein- oder rausgelassen werden und ein Typ kommt, der eingecheckt werden möchte und meint er kennt den Manager und er hat eine Reservierung. Ansonsten bleibt es zum Glück ziemlich ruhig.
Eigentlich hatte er uns versprochen, dass er maximal eine halbe Stunde lange weg ist, aber nach zwei Stunden werden wir langsam unruhig und immer noch ist weit und breit weder der Engländer, noch der Manager noch Bier zu sehen... Gerade als ich beunruhigt schon versuche ihn auf dem Handy anzurufen, hält das TukTuk mit den beiden vor der Tür. Die Polizei hat sie direkt nach dem Bierkauf angehalten und Locals dürfen über die Festtage überhaupt keinen Alkohol mit sich führen und Ausländer maximal 10 Liter. Leider hatten die Zwei auf Reserve gekauft und mehr als 10L mit dabei... Die Folge: der Engländer musste alles Bier abgeben und durfte nach langem Diskutieren eine Flasche behalten, der Hostelmanager hat eine Anzeige bekommen und muss vor Gericht erscheinen. Dementsprechend ist er auch fertig mit den Nerven... Somit sind mehr als zwei Stunden vergangen, wir haben einen Batzen Geld verloren, haben zwei Stunden umsonst gearbeitet und trotzdem immer noch kein Bier - sind aber um eine witzige Geschichte reicher... [...]





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