Mittwoch, 2. Dezember 2015

Niemand hat gesagt,...


...dass erwachsen werden einfach ist. Niemand hat dich gewarnt, was alles auf dich zukommt. Und das ist vielleicht auch gut so. Manche Sachen sind nur Stückweise und Schritt für Schritt zu schaffen. Letztes Jahr hatte ich ein gigantisches Jahr: ich hatte ein super Sommersemester mit einer tollen Truppe an Freunden. Wir haben in der Sonne gelegen, und sind in Vorfreunde aus das Auslandssemester ertrunken, mit all den Erwartungen und Hoffnungen. Und dann kam das Auslandssemester und es hat jegliche Vorstellung und Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern überstiegen. Ich habe Dinge erlebt, die man in seinem Leben nur einmal die Chance dazu hat, ich bin Helikopter über den Grand Canyon geflogen, ich war auf dem größten Heißluftballonfestival der Welt, ich habe unglaubliche Freundschaften geschlossen, den Winter überlistet, Hawaiianische Luft geatmet, Kalifornien erobert, Kindheitserinnerungen aufleben lassen, in Vegas gezockt, nach Mexiko zurückgekehrt, mich verknallt, und Puerto Rico und Indonesien alleine bereist und Lieben gelernt. Und dann ging das Semester wieder los und die Realität hat wieder eingesetzt. Miese Dozenten, der Krebs der den Vater einer Freundin nimmt, der Freundeskreis der einem immer mehr wegbricht, der dumme machohaftige Freund, der dir die beste Freundin stiehlt, unfaire Benotungen in der Uni, der Typ der dich doch bloß verarscht hat, alles verändert sich und immer diese Angst vor der Zukunft, die Angst vor dem Versagen. Auf einmal wacht man auf und fragt sich wo man geblieben ist. Alles gestaltet sich auf einmal so anders als man das erwartet hat. Sie sagen dir, dass du noch so jung bist und dass die Angst etwas zu verpassen, die besten Jahre vergeudet zu haben, ist unberechtigt - aber was, wenn sie dass nur sagen, damit du dich besser fühlst? Was, wenn sie das nur sagen, weil sie andere Erwartungen vom Leben haben? Aber was, wenn sie sich irren? Was, wenn du eines Tages aufwachst und du hast es vermasselt? Dem falschen Typ adieu gesagt, das falsche Studienfach ausgesucht, den falschen Dozenten gewählt, die falschen Freunde behalten, in der falschen WG gewohnt, die falschen Praktika und Jobs angenommen und die Zeit nicht richtig genutzt? Was, wenn du an Krebs in deinen 30er stirbst? Was, wenn du viel weniger Zeit hast, als du denkst? Was wenn du nie die große Liebe findest, nie Kinder bekommst, nie genug Geld verdienst? Was, wenn du nicht hart genug dafür gekämpft hast oder es erst zu spät gemerkt hast? Und was, wenn du dich immer falsch entschieden hast, und 90 wirst, und für immer damit leben musst?
Nächstes Jahr muss ich mich entscheiden, wie mein Leben weiter gehen soll. Welchen Master ich machen will, wie und wo. Ich werde umziehen müssen, eine neue Wohnung suchen, neue Freunde finden, neue Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die mein komplettes restliches Leben beeinflussen und bestimmen werden. Was, wenn ich mich falsch entscheide? Was, wenn ich einzigartige Chancen verpasse? Und was, wenn alles gut wird? Ich bin hin und her gerissen zwischen der Tatsache, dass noch so vieles offen und noch unentschieden ist und der Tatsache, dass noch so viel schief gehen und falsch entschieden werden kann...  Niemand hat gesagt, dass erwachsen werden einfach ist. Es kommt einiges auf einen zu...
  
"Man sagt am Ende wird alles gut.
Und wenn es nicht gut ist, kann es auch nicht das Ende sein." 
- Casper