Montag, 28. April 2014

Die Szene in der Szene

Ich weiß, ich weiß. Schreibtechnisch war ich mal wieder längere Zeit ziemlich faul. Daher habe ich jetzt beschlossen zwei kleinere Texte zu posten. Sie haben beide rein gar nichts miteinander zu tun, außer dass ich sie Beide dieses Wochenende geschrieben habe. Und zwar in einem Blockseminar "Szenisches Schreiben im Journalismus". Das ist einer der Kurse, die ich mir als Schlüsselkompetenz anrechen lassen kann. In Schlüsselkompetenzen belegt man Kurse, die mit seinem eigentlichen Fach bzw. der Fachrichtung nichts zu tun haben. Freitag bis Sonntag waren wir also in dem Kurs, der von einer freigestellten Journalisten geführt wurde, eigentlich alles sehr interessant, aber auch anstrengend. Wie der Titel schon sagt, ging es darum Szenen, vor allem Anfangsszenen, zu schreiben, die am Beginn eines Textes stehen, um den Leser zu fesseln und bei ihm Emotionen auszulösen.
Einen der Texte mussten wir als Hausaufgabe schreiben, nachdem wir Samstags eine Szene erst skizzieren sollten und dann zu Hause ausformulieren. Der zweite Text ist eine Übung im Unterricht gewesen. Die Journalisten, die uns betreute, hat wirklich drei Mal eine Netzhautablösung durchmachen müssen und die Aufgabe war, mit ihr ein Interview zu führen (aus dem man einen Artikel schreiben könnte über Netzhautablösung) und daraus eine Anfangsszene zu schreiben. Also Beide Texte sind real (nur beim Netzhautablösungstext habe ich den Namen geändert).



Als sie in dem Restaurant ankommt, steht vor Amelie bereits ein Riesenteller Pommes und ein großes Glas Eistee. Eistee ist das beste Heilmittel bei einem Kater, sagt sie immer. Ohne Kohlensäure und trotzdem was Süßes, das ist Optimal. Leicht unruhig knabbert sie an einer Pommes rum und starrt gedankenverloren ein Loch in den Himmel. Beim Rücken des Stuhls durch den Kies schreckt sie kurz auf, bevor sie leicht grinsend sagt: "Oh Gott, ich muss dir so viel von gestern Abend erzählen, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll!". Es ist einer dieser seltenen lauen Aprilabende, wo man noch relativ spät ohne Jacke draußen sitzen kann. Um den Tisch rennen schreiend zwei Kinder und von der Straße her dringt der Lärm der Autos hinüber. Wenn die Kinder mal wieder besonders laute Schreien von sich geben, kneift sie die Augen kurz zusammen, was wohl heißt, dass das Kopfweh noch nicht ganz überwunden ist, trotz der Aspirin. Und dann sprudelt es aus ihr raus... von der Party, von den neuen Bekanntschaften, von dem Haus, dem Nachhauseweg und von Gin Tonic. Von dem muss sie nämlich immer weinen... Zwischendrin schaut sie sich immer wieder kurz um, nur um sicher zu gehen, dass niemand lauscht. Unterbrochen wird das Ganze nur, wenn ihr mal wieder ein hohes Kichern entweicht und sie sich leicht krümmt vor hysterischem Glucksen. Noch ein Glas Eistee - der Brand ist heute besonders hartnäckig. Bei den richtig pikanten Stellen des gestrigen Abends lehnt sie sich leicht über den Tisch und senkt die Stimme - muss ja alles geheim bleiben. Sie hat gestern wieder alle möglichen witzigen Gespräche und Diskussion geführt in ihrem leichten Schwips, das macht sie immer. Gestern ging es um die Frage "Denkst du leise oder laut in deinem Kopf?". Die Mehrheit denkt eher leise, wobei die Meisten sie wohl einfach nur verständnislos angestarrt und den Kopf geschüttelt haben. Dafür, dass der Hunger sie gerade erst aus dem Bett getrieben hat, sitzt die Frisur perfekt wie immer, nur die müden Augen verraten, dass die Nacht länger war. Als die Bedienung noch mal an den Tisch kommt, wird sie schlagartig still und unterbricht ihre Erzählung für einen Moment - man weiß ja nie, wer hier wen kennt. Nachdem das zweite Glas geleert ist und die Pommes verschlungen, sind auch alle Neuigkeiten geteilt. Sie quält sich vom Stuhl hoch, fasst sich an den Kopf und stöhnt kurz auf. Eine kurze Umarmung und dann trennen sich ihre Wege für heute wieder. Ihr Weg führt erstmal wieder direkt zurück ins Bett... 

[...]

Lisa Müller steht in der Notaufnahme und kann es nicht fassen. Es ist Sonntagabend und eigentlich hatte sie nur den Tatort in Ruhe schauen wollen. „Was haben Sie denn?“ fragt die Frau an der Anmeldung ein bisschen zu nüchtern. „Ich kann nicht mehr sehen!“ entfährt es Lisa. Sie ist verängstigt und ihr Kopf ist beherrscht von dem Gedanken, dass etwas ganz schlimmes kommt. Tumor im Gehirn oder so…. „10 Euro und die Versichertenkarte, bitte“, ist die einfachere Antwort der Frau. Dann muss Lisa im Wartezimmer Platz nehmen und warten. Gefühlte fünf Stunden. Sie sitzt wie ein Häufchen Elend auf ihrem Stuhl und starrt nur auf den Boden. Die Ungewissheit ist wohl das Schlimmste. Dann wird sie endlich aufgerufen und darf zum Arzt. Ein großer schlanker Herr, der ihr weder die Hand schüttelt noch sie genau ansieht, schaut ihr ins Auge und tippt dann wild in seinen Computer. Diagnose: Einblutung im Auge, eventuell Netzhautablösung. Das kann er aber noch nicht sagen, weil er nichts sieht wegen dem Blut. Operation: morgen! Sie bekommt ein Zimmer in dem Uniklinikum zugeteilt, aber an Schlaf ist eh nicht mehr zu denken…

Ein halbes Jahr später hat Lisa Müller drei Netzhautablösungen und insgesamt fünf Operationen hinter sich und besitzt heute auf ihrem rechten Auge nur noch 5 % ihrer Sehkraft.
[…]

So und jetzt noch ein Abschlussbild, was mit dem Seminar aber natürlich nichts zu tun hat:

die Gang...

Freitag, 18. April 2014

Bien está lo que bien acaba


Die letzten Wochen oder besser Monate waren eine emotionale Achterbahn, allerdings mit mehr Tiefs als Hochs. Aber wie man ja so schön im Spanischen sagt "bien está lo que bien acaba" (Ende gut, alles gut) und in meinem Fall bedeutet das: all der emotionale Stress, das ganze harte Lernen, der Aufenthalt in der Sprachschule, das Geld, die viele Zeit und der konstante psychische Druck haben sich ausbezahlt: ich habe meine Übersetzungsklausur bestanden (und auch alle anderen wichtigen Kurse, um Spanisch weiterstudieren zu können). Eine etwas einfachere Variante wäre mir zwar lieber gewesen, aber vielleicht musste ich auch endlich mal lernen, was es heißt für eine Sache, die man will, richtig zu kämpfen und arbeiten zu müssen... So oder so, ich bin heilfroh, dass dieses Kapitel erstmal geschafft ist und hoffe, dass jetzt erstmal etwas Ruhe in meinem Studium einkehrt.