Dienstag, 26. Juni 2012

"Kriecht aus eurem Schneckenhaus...."


Wie ich schon neulich geschrieben hab, stand dieses Jahr ein Bezirkslager von den Pfadfindern an. Ich hab mich eigentlich total dieses Jahr darauf gefreut, weil ich zuletzt vor zwei Jahren auf einem richtigen Lager war und ich in gewisser Hinsicht meine zweite "Familie" schon lang nich mehr gesehen hab.

Dieses Jahr haben die Leiter es sehr klug angestellt und das Lager direkt hinter die traditionelle Fronleichnamsprozession gelegt. D.h. normalerweise drücke ich mich davor ganz gerne, aber in diesem Fall war das sehr schwer. Also stand ich in Kluft hoch motiviert um 8.45 Uhr vor der Kirche in Meersburg. Wir haben dieses Jahr Rekorde gesetzt, so viele waren wir noch nie. Dass der Pfarrer allerdings so  - sagen wir mal nett ausgedrückt: altmodisch - war, konnte ja niemand wissen. Nicht, dass er nur alles im Sing Sang beten musste und die Kinder bzw Ministranten schön in seinem eisigen Griff hielt, er machte außerdem noch einen ewigen Leidensweg daraus und hatte ein paar lateinische Gebete kunstvoll in den Gottesdienst mit eingebaut. Ich mein in welchem Jahrhundert leben wir? Latein? Ehrlich? Hallo? Ist ihm mal aufgefallen, dass Latein eine tote Sprache ist? Wobei das ja eigentlich zu der immer mehr vom Aussterben bedrohten Kirche passt.

Wie dem auch sei ging's danach mit einem Bus Richtung Schwarzwald (nähe Blumberg) zum Bruderhof von Binnigers. Dort haben wir schon mehrere tolle Lager verbracht.

In Überlingen haben wir dann noch ein paar Überlinger Pfadis eingeladen, und schon da hätte uns auffallen müssen, dass Pfadfinder nicht gleich Pfadfinder ist...

Bei Binnigers angekommen standen unsere Zelte größtenteils schon (dank dem Vortrupp, der schon 'n paar Tage früher hingefahren sind) und so konnten wir entspannt den anderen Stämmen beim Aufbauen helfen, da diese Teilweise nicht mal selber ne Ahnung hatten, wie sie ihre Zelte aufzubauen haben. Es waren Steißlinger, Überlinger, ein paar wenige Konstanzer, welche von der Höri und ein Radolfzeller dabei. Unser Stamm konnte erstaunlicherweise mit den meisten Mitgliedern glänzen, so dass wir insgesamt um die 110 Leute waren.

Es folgten ein paar Tage mit Kennenlernspielen, einem Geländespiel, Stufeninternen-Aktionen und ähnliches.

Leider hatten wir nicht wirklich Glück mit dem Wetter, denn es regnete zwei Tage fast komplett durch und verwandelte den Zeltplatz in ein einziges riesiges Matschloch. In der ersten Nacht hat uns das Wetter dann auch gut auf Trapp gehalten. Wir hatten uns schon alle in unsere Superjurte gekuschelt, ich eingeschnürt in zwei Schlafsäcke, als Michael uns weckte mit den Worten "Leute, das Zelt ist gerade über mir eingestürzt". Ich versuchte mich erst tot zu stellen, weil ich schon ahnte, dass wenn ich mich rühre, es unweigerlich zum Aufstehen führt. Wir Mädels hatten allerdings alle den gleichen Gedanken, also versuchten wir die Jungs zu wecken und sie raus in den Regen und die Kälte zu schicken. Als Peter sich also langsam ans Anziehen machte, schafften wir es noch Benni zu wecken. Innerhalb von zwei Sekunden sprang er auf, schlüpfte in seine Adiletten und sprintete aus dem Zelt um einen ersten Lagebericht erstellen zu können  - da sieht man mal was so eine Ausbildung beim Bund alles so bringen kann... Es stellte sich also heraus, dass so große Wassermassen bisher runtergekommen waren, dass auf dem riesigen Zeltdach sich mehrere Wasserkuhlen gebildet hatten, die die Heringe aus dem Boden gezogen hatten. Dadurch sind mehrere Stangen umgeklappt und haben die Hälfte des Zelts zum Einstürzen gebracht. In kurzer Hose und Juja quälte ich mich also schließlich auch aus dem Zelt, um den anderen zu helfen und auch die restlichen Zelte von uns abzuspannen. Nach ner halben Stunden im Matsch rumrutschen, Heringe reinklopfen, Wasserbeulen ausschütten und nachspannen von Seilen, konnten wir dann alle wieder in unsere Schlafsäcken kriechen, was nebenbei gesagt, immer eine einzige Tortour ist.

Eine andere Geschichte sind die Kinder, die wir dabei hatten.

Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich nie eine wirkliche gute Meinung von unseren Kindern hatte, weil viele dabei sind, die in meinen Augen wirkliche psychische Störungen haben, völlig hyperaktiv sind, noch nie eine wirkliche Erziehung erfahren durften, immer wieder aggressive Seiten zeigen oder einfach nur Wichtigtuer oder schlichtweg dumm sind.  

Aber nachdem ich dann die Kinder von den anderen Stämmen kennenlernen durfte, bin ich schnell zu der Meinung gekommen, dass unsere Kinder doch ganz gut erzogen sind. Da waren Kinder dabei, die weder was von Anstand oder Respekt vor Älteren jemals gehört haben. Dazu kam noch, dass die Leiter der andern Stämme irgendwie nich so auf ihre Kinder geachtet haben, wie wir das gewohnt waren bei uns. Da liefen Kinder den kompletten Tag in total Nassen Klamotten in kurzer Hose und Top durch den Matsch, während ich 4 Schichten an hatte und versucht habe, nicht im Matsch zu versinken.

Insgesamt kamen wir aber alle zum Schluss, dass es einfacher ist, ein Stammeslager zu machen, als mit so vielen Fremden, die alles anders machen, als man selber bzw nichts machen und uns alles erledigen lassen. Es war ein bisschen wie ein Stammeslager vom Organisatorischen Aufwand her, aber halt mit einigen Gästen, die noch mehr Arbeit gemacht haben.

Trotzdem muss ich natürlich auch sagen, dass einige nette Leute dabei waren und ich es jetzt auch insgesamt gesehen nicht hätte missen wollen. Lager zeigen mir immer wieder, was man im Leben hat und worauf es wirklich ankommt. Sie zeigen mir, dass es nicht viel braucht, außer ein paar Sonnenstrahlen, ein Lagerfeuer, gutes Essen, einen trockenen Schlafplatz und ein paar nette Mitmenschen, um glücklich sein zu können. Es ist die Schlichtheit, die mich immer wieder beeindruckt und die mir die Augen öffnet, wie viel eine warme Dusche und ein kuscheliges Bett wert sein können. Pfadfinder sind wie gesagt, ein bisschen wie eine Familie für mich, die mich auf meinem Lebensweg begleiten seit ich 7 war. Das heißt ich bin seit 13 Jahren dabei, habe vieles gelernt - sowohl praktisches im Alltag, als auch über mich und über andere - und habe einmalige Erfahrungen machen dürfen.

Und das ist, neben all dem Stress, den es manchmal gibt, auf jeden Fall das, was bleibt und das. was zählt.

 
Am Ende jedes Lagers gibt es die Tradition bei deutschen Pfadfindern das Lied "Nehmt Abschied Brüder" zu singen und dabei kommen mir eigentlich fast immer die Tränen. Der Text ist, wie ich finde, sehr schön und passend - aber seht selber...

 
"Nehmt Abschied, Brüder, ungewiss
ist alle Wiederkehr,
die Zukunft liegt in Finsternis
und macht das Herz uns schwer.
Der Himmel wölbt sich übers Land,
Ade, auf Wiederseh'n!
Wir ruhen all in Gottes Hand,
Lebt wohl auf Wiederseh'n.

So ist in jedem Anbeginn
das Ende nicht mehr weit.
Wir kommen her und gehen hin
und mit uns geht die Zeit.

Der Himmel wölbt sich übers Land,
Ade, auf Wiederseh'n!
Wir ruhen all in Gottes Hand,
Lebt wohl auf Wiederseh'n.

Nehmt Abschied, Brüder, schließt den Kreis,
das Leben ist ein Spiel.
Und wer es recht zu spielen weiß,
gelangt ans große Ziel."






Dienstag, 19. Juni 2012

Im Zweifel für den Zweifel

"Tell me that the future is getting brighter now
Tell me that we'll make it
That we'll make it somehow..."

Ja, ich bin in völliger Deutschland-Montur und ja, ich habe mir ein Fußball-Spiel angeschaut, aber zu meiner Verteidigung
es gehörte zu einem Job und wurde bezahlt ;)

"Flagg your Eyes" - wurden dort geschminkt von einem Make-Up-Artist

im Garten

Überlinger Touris

Freitag, 15. Juni 2012


"Kurz bevor die Sonne aufgeht, ist die Nacht am dunkelsten."

Montag, 4. Juni 2012

Hello again...


Nein, ich bin nicht immer noch in Mexiko. Und ja, es ist schon wieder ewig her, dass ich etwas geschrieben hab.

Inzwischen ist es so lange her, dass ich nich mal weiß, wo ich anfangen soll. Ich versuchs mal der Reinfolge nach: ich bin aus Mexiko zurückgekommen, nachdem ich dort einen der besten und verrücktesten Urlaube überhaupt hatte. Der Monat da war unbeschreiblich und mit einer anderen Reise eigentlich nicht vergleichbar. Dort hatte ich einen festen "Standpunkt", also Playa, wo ich in einer Wohnung (bei meiner Freundin mit drin) gewohnt hab, ich habe ihre Freunde kennengelernt und in dieser kurzen Zeit viele Freundschaften geschlossen. Das heißt, ich bin dann teilweise auch mit Mexikaner an den Strand oder Abends weggegangen ohne Lulu, weil sie arbeiten musste. Es war also eher wie dort leben, als dort Urlaub machen.

Unsere zwei Wochen Rundreise durch den Osten Mexikos, Guatemala und den Abstecher nach Belize war zu gleichen Teilen interessant, anstrengend, einmalig und umwerfend schön. Der Abschied nach den vier Wochen war umso schwerer, aber ich bin mir eigentlich sicher irgendwann wieder nach Mexiko zurückzukehren, zum Einen um die Leute in Playa wieder zu treffen und zum Anderen um den Rest von Mexiko zu sehen - denn da gibt's noch so viel mehr!

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland ist dann einiges drunter und drüber gelaufen. Meine Klausurergebnisse waren nicht so, wie ich mir das erhofft und gewünscht hatte und auf einmal war ich mir einfach nicht mehr sicher, ob ich bei BWL bleiben möchte. Dann ging alles eigentlich total schnell... Ich hab mich gegen BWL entschieden, habe meine Wohnung gekündigt, hab mein Zeugs zusammengepackt und bin wieder Zuhause eingezogen.


Ich werde jetzt ein halbes Jahr arbeiten und dann im Wintersemester neu anfangen. Inzwischen habe ich auch eine Idee bekommen, was ich in etwa machen möchte und versuche jetzt in den Richtungen was zu finden.

In der Zwischenzeit arbeite ich viel als Promoter, bis ich etwas geregeltes gefunden habe. Anfang Mai war ich 5 Tage auf einem riesigen Kongress von Mercedes-Benz und war dort als Messehostess zusammen mit rund 200 anderen Hostessen angestellt. Es war total beeindruckend zu sehen, wie so ein großes Event abläuft, was da alles dahintersteckt, was für Menschen da rumlaufen und was für Geldmassen dort fließen. Das ganze fand in Davos (Schweiz) statt und war also mit bezahlter Unterkunft und Essen. Obwohl es Arbeit war, muss ich sagen, hatte ich trotzdem viel Spass (und gut bezahlt, war es außerdem noch!).



Die meisten anderen Jobs, die ich mache, sind aber nicht in dieser Größe. Letzte Woche war ich für den Südkurier unterwegs und habe Probelesen verschenkt, am Samstag war ich am Kindertag im Toys"R"Us und habe dort Spielstationen betreut. Nächste Woche geht es dann an einem Tag am EM-Spieltag ab und an den kommenden Wochenenden vertrete ich Wilkinson-Rasierer in dm-Märkten. Also es gibt eigentlich ganz gut was zu tun.


Kommendes Wochenende erwartet mich aber erstmal wieder Action der besonderen Art: ein Stammeslager steht an und ich hab dieses Jahr wieder mal Zeit um mitzugehen. Dieses Jahr ist es nicht nur ein Stammeslager, sondern auch gleichzeitig ein Bezirkslager, dh. mit vielen anderen Stämmen aus der Umgebung zusammen. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich auf Lagerfeuer, Gitarrenmusik, Schwarzzelte, Geländespiele, Nachtwanderungen, Gemeinschaft, Lagerbauten und vieles mehr.

Das war's erstmal für heute, ich hoff ich lass jetzt wieder öfter von mir hören.