Samstag, 15. Oktober 2011

alte Zeiten

bin grad über alte Bilder gestolpert, die wir gemacht haben, bevor ich damals nach Neuseeland bin. Und meine zwei Liebelingsbilder will ich hier nochmal teilen :)


Donnerstag, 13. Oktober 2011

"Das ist gut gegen Krebs..."

Ich habe ein bisschen gebraucht, um mich mit diesem durchaus schmerzlichen Thema auseinander zusetzen und meine Gedanken in Worte zu fassen, aber nun endlich habe ich es geschafft:

Die Nachricht war nicht nur ein immenser Schock, sondern hat in mir solch eine Hilflosigkeit und Angst ausgelöst, dass es schwer in Worte zu fassen ist. Es kam nicht nur absolut Unerwartet für mich, sondern auch in meinen Augen definitiv ungerechter Weise. Ist es fair, zweimal gegen das gleiche Kämpfen zu müssen? Sicherlich nicht!

Damals war ich zu jung, um eine wirkliche Unterstürzung zu sein und um wirklich zu kapieren, was los ist. Oft hab ich später gedacht, dass ich gern mehr Unterstützung geleistet hätte. Und heute… heute wäre ich alt genug, stark genug, sollte man meinen, aber ich bin es nicht. Ich will lieber naiv und uninformiert bleiben. Ich will darüber so wenig, wie möglich wissen und mitbekommen. Es ist nun mal nicht der erste Fall in der Familie und offiziell fall ich wunderschön in das Raster der Gefährdeten. Ich finde es eigentlich relativ offensichtlich, wie es laufen und wie meine Zukunft aussehen wird. Und da will ich eigentlich gar nicht wissen, wie hart es ist, oder wie schmerzhaft, wie hoch die Chancen zum Überleben sind (Übrigens liegen die Chancen 5 Jahre zu überleben nach einer Diagnose bei 83 Prozent…) oder ähnliches.

Und schon jetzt erwisch ich mich dabei, wie ich überlege, wie ich ohne Haare aussehe oder ob meine Venen wohl gut geeignet sind zum vielen Blutabnehmen. Auch Gedankengänge wie, ich fall schon mein Blutabnehmen fast in Ohnmacht, wie soll ich dann so was überleben, kommen hin und wieder durchaus vor.

Und auch die Tatsache, dass 8 Jahre nach dem ersten Kampf, man auf einmal erneut alles durchmachen muss, macht mich unglaublich hilflos. Man hat nie die Garantie, dass es vorbei ist und das macht es zu einem Wettkampf, den Krebs schneller zu finden, als er sich entwickeln kann – klasse Wettlauf: der Verlierer stirbt.



Und obwohl ich eigentlich nichts von all dem wissen will, befinde ich mich auf  einmal in einem kleinen Raum, voller Frauen, die ähnliches vor sich oder durchgemacht haben – und ich mitten drin. Hör mir Fakten über Homöopathie an oder über die Wirkungen der Mistelpflanze, vergleiche Zahlen von der Überlebenschance vor 5 Jahren und heute, betrachte verschiedene Leidensgeschichten und ihre Meinungen und lasse  mich von irgendwelchen Fachleuten davon überzeugen, dass Sport und Bewegung, sowie gesunde Ernährung das A und O sind. Na danke, was ganz neues.  

Und da kommt mir langsam die unglaubliche Eingebung: Hey ich bin gar nicht unsterblich. So irre der Gedanken irgendwann zu sterben für mich im Moment wirklich zu sein scheint, weil ich doch irgendwie damit rechne, dass ich um die 80 werde, so abartig ist es eigentlich auch, dies einfach anzunehmen.

Nein, ich bin wirklich sterblich. Vielleicht sterbe ich an Krebs im Alter von 50, aber vielleicht werd ich schon mit 30 von einem Auto überfahren. Bei solchen Gedankengängen setzt bei mir immer zwischendrin das Gehirn aus, weil ich ja auch nicht weiß, wie das ist, wenn ich tot bin, Das liegt vielleicht da dran, dass es einfach nicht greifbar ist.

Dieser Abend dort hat mir nicht näher gebracht, wie ich mit dem Krebs umgehen muss oder welche Möglichkeiten es zur Bekämpfung gibt. Nein, dieser Abend hat mir aufgezeigt, dass ich nicht weiß, was morgen ist. Ich kann nicht wissen, ob ich noch eine Ewigkeit vor mir hab, bis ich sterbe oder ob ich jetzt schon die Hälfte meines Lebens hinter mir hab, weil ich mit 40 sterbe.

Meine Mama hat mir mal vor langer Zeit in mein Poesiealbum eine chinesische Weisheit geschrieben, an die ich mich jetzt erinnere und die ich jetzt weitergeben will:

"Als du auf die Welt kamst weintest du,
um dich herum freuten sich alle.
Lebe so, dass wenn du die Welt verlässt,
alle weinen und du allein lächelst."

Ich denke, dass das eine sehr gute Grundeinstellung für das Leben ist. Es sollte egal sein, wann man stirbt, solange man auf sein Leben mit einem Lächeln zurückblicken kann und weiß, dass man geliebt wurde und das Beste aus seinem Leben gemacht hat.

Und wenn ich heute überlege, was ich alles schon erleben durfte und wo ich überall schon war in meinem Alter, dass ich eine tolle Familie habe, die mich liebt und Freunde, denen ich wichtig bin, dann macht mir all das Böse was in Zukunft kommen mag, schon ein kleines bisschen weniger Angst...

In diesem Sinne, wie es schon die Mönche im Mittelalter ausriefen:

 carpe diem - memento mori