Montag, 11. Januar 2010

San Justo - Rabanal

30. August 2009:
Der Wecker klingelt um halb Sieben, aber beim Betrachten meines immer noch angeschwollenen Fußes, vergeht mir schlagartig die Lust zum Laufen! Kurzfristig entscheiden wir also, uns einen Tag Pause zu gönnen und heute nur die 5km bis Astorga zu laufen und dort in eine Albergue zu gehen. Damit steht also heute “ ’s Städle agugge“ als Hauptaktivität auf dem Tagesplan. Wir stellen uns den Wecker auf zwei Stunden später und pilgern dann genüsslich und langsam los.
Am Stadtrand frühstücken wir erstmal in einem süßen Kaffee. Wir finden hier den einen ausgesprochen leckeren Kaffee, Mantecadas (spezielles Buttergebäck der Stadt Astorga) und weitere leckere Kekse. Danach checken wir erstmal in einer noch völlig leeren Albergue ein. Angeblich ist das hier ein restaurierter 300 Jahre alter Palast, wobei von den Restaurationen nicht viel zu sehen ist, dafür die 300 Jahre umso mehr.
Insgesamt aber ganz nett gemacht, inklusive einem Innenhof in dem ein riesiger Feigenbaum ’gen Himmel ragt. Außerdem gibt es dort eine Art Brunnen, mit eiskaltem Wasser, in den ich kurzerhand meinen Fuß samt geknechteter Sehne hänge, damit die Schwellung eventuell ein bisschen abklingt bzw. der Schmerz etwas nachlässt. Ich muss dazu sagen, dass ich schon nach kurzer Zeit glaube, dass mir der komplette Fuß wohl noch vorher in dem kalten Wasser absterben wird, bevor ich auch nur ansatzweise auf Besserung hoffen kann.
Hinkend geht’s dann ins Städtchen, zur relativ schönen Kathedrale und sogar einen Museumsbesuch gönnen wir uns heute mal. Es ist der so genannte Bischofspalast (in dem aber nie ein Bischof eingezogen ist). Es ist ein von Gaudí entworfenes Haus, das unverkennbar seinen Stempel trägt, aber nicht von ihm vollendet wurde. Heute beherbergt es eben das „Museo de los Caminos“, mit mehr oder weniger interessanten Ausstellungsstücken, wie zum Beispiel das „echte“ Cruz de Ferro, das wir in einigen Tagen auch noch erreichen werden.
Abends tingeln wir von Bar zu Bar und von Restaurant zu Restaurant, trinken Cerveza con limón und essen Pizza. Da gerade ein Fest in Astorga steigt, ist einiges los in den Straßen. Unter anderem sind gigantisch große Bühnen aufgebaut, Kunststücke werden überall vorgeführt und es herrscht einfach ein emsiges Treiben.
Wir sitzen am Plaza Mayor und begaffen ewig lang, die vorbeiströmenden Menschenmassen. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass alle spanischen Frauen irgendwie gleich aussehen. Sie sind “schick“ herausgeputzt, in ihrem besten Sonntagsdress, was meist aus einem gleichfarbigen 2-teiligen Kostüm besteht und jeder trägt so viel Gold, wie er hat und wo er nur kann. Es erinnert schon fast etwas an Karneval.
Durch unseren unfreiwilligen Tag Pause, haben wir lauter altbekannte Gesichter wieder gesehen, welch eine Freude: die 5-Uhr-Japaner, Alex Karev, die Gitarren-Melonen-Männer, einfach alle!
--> 5km

„Der Weg verliert keinen“

31.August 2009:
Wir stehen früh bei Dunkelheit auf und laufen los. Meine Sehne schmerzt zwar immer noch ziemlich stark, aber ich habe mir gestern noch eine Salbe in einer Apotheke gekauft, durch die die Schwellung etwas zurückgegangen ist. Die gute Frau in der Apotheke wollte mir erstmal verklickern, dass ich den Fuß einfach nicht mehr belasten und ihm ein paar Tage Ruhe gönnen solle, aber da konnte ich einfach nur lachen! Hallo? Klar, ich pilgere einfach auf einem Fuß weiter…
Wir kommen auf unserer heutigen Etappe durch drei kleine, ganz nette Dörfer, in denen wir immer Halt machen und etwas trinken oder essen, wobei mir irgendwie schlecht ist und somit Mama das Essen gnädigerweise übernimmt.
Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich die Gegend hier zweifelsfrei als Amerika identifizieren! Der Weg führt durch Eichenwälder, an einem Zaun entlang, in dem hunderte von Kreuzen geflochten sind, aus Ästen und allem möglichen was in der Umgebung liegt. Das Ganze geht über mehrere 100 Meter und ich bin beeindruckt, wie viele Menschen hier ihren Glauben Gott gegenüber bekundet haben…
Den ganzen Tag über befinden wir uns stets in einem Anstieg, was die „wenigen“ Kilometer sehr in die Länge ziehen und die Geduld meiner Sehne doch sehr ausreizen, wobei ich wirklich sagen muss, dass das hier einer der schönsten Wege auf dem Camino ist.
Wir kommen endlich, stark schwitzend und nur mit letzter Kraft, in Rabanal an und begeben uns in eine nette private Herberge mit hübschen Innenhof.
Nach einem kleinen Mittagsschlaf, verspeise ich erstmal einen Riesenteller Makkaroni und Mama eine fette Portion Spiegeleier mit Speck. Ansonsten wird mal wieder einfach nur ausgespannt.
Am Abend kommen wir mit einer sehr ruhigen, aber netten Iren und einer jungen Frau aus Moskau, die schon einiges in ihrem jungen Leben erlebt hat, ins Gespräch. Es ist interessant, zu erfahren, was die anderen Pilger so dazu gebracht hat, hier zu laufen und es sind immer die verschiedensten Gründe. Später gesellen sich dann noch zwei deutsche Radpilger zu uns, die uns ziemlich zum Lachen bringen, mit all ihren Geschichten.
Heute ist der erste Tag, an dem ich das Ganze hier nicht ein einziges Mal verflucht oder bereut habe, und das soll auch so bleiben!
-->22 km

„Die Motive sind verscheiden, aber der Weg macht alle gleich…“ 

C|_| 

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