Samstag, 26. September 2009

Camino de Santiago - 2009


I won’t stop walking until I know where I’m going…


…ich mache meine Augen auf und weiß, es ist soweit. Jetzt und hier, beginnt mein Weg.
Aber zurück zum Anfang: schon damals vor 2 Jahren, als ich die letzten Schritte auf dem Jakobsweg gelaufen bin, wusste ich, ich werde früher oder später, den Weg beenden. Und so ist es auch gekommen. Der Weg hat praktisch nach mir gerufen und jetzt endlich bin ich seinem Rufen gefolgt. Meine Mum und ich beschlossen den Weg dieses Jahr in den Sommerferien endlich zu beenden. Flüge wurden gebucht, Reiseführer durchgeblättert und jedes Gepäckstück einzeln abgewogen. Am 22. August ging unser Flieger von Frankfurt (Hahn) auf nach Santander in Spanien. Von dort nahmen wir den Bus nach Burgos, jener Stadt, in der wir unsere letzte Pilgerreise beendet hatten.
Und genau dort, wache ich heute am 21. August 2009 auf und werde den ersten Schritt auf meinem persönlichen Weg gehen.

„Wende dich nach innen und höre die Stimme der Stille. Und mach’ es wie ich: Setz’ einen Fuß vor den anderen und üb’ dich im einfachen Leben auf der Straße“ Paul Martin Clotz


21. August 2009:
Wir lassen alles etwas ruhiger angehen, da wir beim letzten Mal schmerzlich feststellen mussten, was es heißt, sich zu übernehmen. So haben wir im Voraus schon eine kleine Etappe von “nur“ 16km uns ausgeguckt. Nach kleinen Startschwierigkeiten den Weg zu finden, folgen wir doch dann endlich 9 km den gelben Pfeilen durch eine karge fast wüstenartige Steppe, die sich vor uns unendlich weit ausbreitet. Der Himmel leuchtet wunderschön blau du die gelben Weizenstoppel erstreben sich über endlose Weiten.


Schmerzen habe ich erstaunlicherweise eigentlich kaum und so kommen wir sehr früh an unserer ersten Zieletappe, in Hornillos del Camino, an. Hornillos ist ein sehr verschlafenes und typisch spanisches Minidorf mit 89 Einwohnern, die sich zur Mittagszeit aber auf keinen Fall auf den Strassen des Dorfes blicken lassen.
Um 12.00Uhr “checken“ wir in unsere erste Albergue ein, die direkt neben der Kirche liegt. Die Herberge ist eigentlich relativ sauber, wenn man mal von den total versifften Matratzen absieht, auf die sich wirklich kein Mensch mehr legen möchte. Wir werden in einem Schlafraum mit 10 Betten untergebracht, der allerdings nicht mal eine Türe besitzt.

Den restlichen Tag verbringen wir damit, in der Sonne zu dösen und zu genießen wieder auf dem Weg zu sein. Allerdings dehnt sich der Tag ewig hin, da es einfach rein gar nichts zu tun gibt und man nicht mehr außer schlafen und essen machen kann. Ich habe weder meinen heißgeliebten I-Pod dabei, noch ein Buch und an Internet ist in dieser Gegend schon gar nicht zu denken. Eine Frage stellt sich mir im Laufe des Tages immer wieder: was würde ich machen, wenn ich hier leben würde? Leider fällt mir darauf nun echt keine Antwort ein.
Eine weitere Frage, über dich in den letzten Tagen auch schon öfters nachdenken musste ist, was ich mir eigentlich verspreche, hier auf dem Weg zu finden. Klar, der Weg hat förmlich nach mir geschrieen, aber dennoch, was treibt mich an, das hier wirklich durchzuziehen? Bin ich auf der Suche nach mir? Oder auf der Suche nach Gott? Vielleicht nach Beidem, ich weiß es nicht. Vielleicht weiß ich was ich suche, wenn ich es gefunden habe. Und bis dahin, bleibt mir nichts anders übrig, als zu laufen und zu warten, bis es sich mir offenbart, was mir übrigens irgendwie auch Angst macht. Laufen in das Ungewisse.

-->16km

„Der Himmel ist blau, so blau

Und der Rest deines Lebens wird schön…“
Himmelblau – die Ärzte



C|_| 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Grüezi Linda,
deine Einträge sind interessant zu lesen. Ich habe ständig Fragen.....
zB. warum hast du den iPod nicht dabei gehabt? Wäre betend pilgern das "Ziel"? ..... so wortwörtlich meine ich das nicht, mehr gefühlsmässig.
Gruss Susi

Linda hat gesagt…

Liebe Susi,
es freut mich zu hören, dass du dich dafür interessierst :)
ich versuch gerne alle deine fragen zu beantworten...
ich hatte keinen I-pod dabei, weil ich so viel wie möglich von meinem "normalen" leben zuhause lassen wollte und der I-pod mich auch mehr "abgegerenzt" von den restlichen pilgern hätte. ja du hast, man soll ja schon über sein leben etc nachdenken, und mit stöpseln im ohr, ist das wahrscheinlich nich so einfach ;)
grüsse Linda