Mittwoch, 4. November 2009

Frómista - Sahagún


24. August 2009:
Schmerzen! Schmerzen! Schmerzen!
Eigentlich wäre damit alles gesagt… Es ist eine einzige Qual. Schon nach 4km denke ich, dass ich nicht weiter kann. Morgens ist es eh immer hart, überhaupt loszulaufen. Ich brauche meine Zeit, bis ich mein Tempo und meinen Laufstil gefunden habe. Aber heute geht es einfach mal gar nicht. Ich schleppe mich mühsam Schritt für Schritt vorwärts und habe den Eindruck mich nicht fortzubewegen. Meine letzten Nerven (und auch meine letzte Kraft) rauben mir kleine Plagegeister in Form von winzigen schwarzen Fliegetierchen, die mir die ganze Zeit vor dem Gesicht herumschwirren, in Nase, Augen und Ohren fliegen und mich einfach zur Weißglut treiben. Ich habe einerseits keinerlei Kraft um sie zu jagen bzw. zu erschlagen, aber andererseits habe ich das starke Bedürfnis die komplette Tiersippe augenblicklich auszulöschen. Eine Bar, wo ich meinen Kaffee bekommen könnte, ist weit und breit nicht auffindbar.

Ich bin kurz davor alles aufzugeben und mich zu weigern auch nur einen weiteren Schritt zu tun, da taucht plötzlich ein älterer Herr, mit einem Gewehr in der Hand, vor uns auf. Er stürmt an uns vorbei und schreit ein Wort, das in meinem Spanischvokabular nicht auffindbar zu sein scheint. Wir fragen uns gerade auf welches arme Tier wohl dieser etwas Durchgeknallte Mann jagt macht, als er auch schon wieder uns entgegenstürmt und einen Stempel für unsere Credencial in der Hand hält. (Die Credencial ist eine Art Pilgerpass, wo die Pilger Stempel von den verschiedenen Orten bzw. Alberguen, wo sie lang gekommen sind, sammeln. Dieses Dokument bestätigt, dass man Pilger ist und in den Pilgerherbergen übernachten darf und dient gleichzeitig als Beweisstück, dass man den Weg gepilgert ist, um am Ende in Santiago die Compestella erhalten zu können.)
Der Mann nimmt mir den Rucksack ab und reicht uns einen Becher voller bunter Bonbons. Dann setzt er uns kunstvoll seinen Stempel in unseren Pass. Er fragt mich nach meinem Namen und stellt sich dann selber vor: <Yo soy Pepe. Pepe y Linda - amigos por siempre> verkündet er zufrieden, setzt unsere Namen unter den Stempel und gibt mir ein Bussi. Etwas gestärkt laufe ich weiter und denke darüber nach, wie der Weg sich von seinen unterschiedlichen Seiten zeigt. Gerade wenn du denkst, du gibst auf, reicht er seine Hand und zieht dich weiter. Ohne Pepe hätte ich mich dort wohl noch augenblicklich in den Straßengraben gelegt und wäre nie wieder aufgestanden. Pepe, mein Tagesretter!

Sieben lange Kilometer später kriechen wir in ein Dorf und ich kann mir nicht vorstellen, wie ich jemals wieder laufen soll. Ich glaube ich hatte noch nie so Schmerzen. Nicht nur die Füße tun unbeschreiblich weh, sondern jede Sehne schmerzt unendlich, bei jedem einzelnen Schritt, und meine Hüfte fühlt sich an, als wären meine Beine nicht mehr in der “Gelenkhalterung“ verankert, sonder schon längst ausgekugelt. Die Druckstellen überall erwähn ich mal nur nebenbei. Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr weiter kann und vor allem will und ich bereue diese ganze Sache und würde augenblicklich nach Hause fahren, wenn ich nur könnte. Warum ich diesen Scheiß mir antue, frag ich mich heute nicht nur einmal. Ich blöde Kuh musste ja unbedingt einen besonderen Urlaub haben und konnte nicht wie andere Leute, mich irgendwo in ein fettes Hotel am Strand irgendwo in Spanien einniesten. Verzweifelt muss ich außerdem feststellen, dass es hier nicht mal einen Baum gibt, an dem ich mich erhängen könnte – in diesem Moment hass ich mich und mein Leben…
Wie genau ich es dann bis nach Carrión de las Condes schaffe, weiß ich nicht. Wir gehen hier in ein Kloster von Nonnen des Vinizianer-Ordens, die uns für 7 Euro pro Person in kleinen Schlafräumen übernachten lassen.

Frisch geduscht und total erschöpft lasse ich mich auf mein sauberes Bett fallen und schlafe erstmal zwei Stunden lang. Danach geht es auf zur Stadtbesichtigung. Wir finden eine offene Kirche und zum ersten Mal auf meinem Weg lass ich mich auf einer der Holzbänke hinten in der kühlen Kirche nieder und bete. Als ich hier so sitze, erkenne ich erstmals was der Weg mir gibt - zum Ausgleich für die Schmerzen.

Ich sitze hier völlig still und es fühlt sich an, als würde mir jemand einen Umhang überlegen, der mich wärmt und mir das Gefühl der völligen Zufriedenheit gibt. Ich bin auf einmal völlig ruhig und ausgeglichen und starre auf den goldenen Altar. Ich fühle seit langem zum ersten Mal wieder, was ich schon so lange vermisst habe. Ich fühle mich Gott nahe. Bisher auf dem Weg habe ich noch nicht viele Kirchen besucht, geschweige denn Gottesdienste, weil in dieser Region die Kirchen zwischen 70 Cent und einem Euro kosten. Ich sehe es aber einfach nicht ein, warum ich zahlen sollte, um eine Kirche betreten zu dürfen und zu Gott zu beten…
-->20 km

„Ein Engel braucht nicht unbedingt Flügel, manchmal reichen auch einfach ein paar Bonbons.“


25.August 2009:
Heute schlafen wir erstmal aus und gehen den Tag gemütlicher an. Mit uns im Zimmer lag heute übrigens ein tauber und blinder Radpilger. Er wurde von mehreren Personen rund um die Uhr betreut, die ebenfalls hier übernachtet haben. Seine Kilometer legt der Mann auf einem Tandemrad zurück, zusammen mit einem seiner Betreuer. Ich frage mich, was ihm dieser Weg bringt, wenn er weder “den Weg“ sehen kann, noch hören kann, was “er“ ihm zu sagen hat. Wenn ich solche Menschen sehe, merke ich erst wieder, wie zufrieden ich mit mir und meinem Leben sein kann und was für ein Glück ich habe, nicht behindert zu sein.

13 km geht es heute durch abgemähte Getreidefelder und die Sonne scheint wirklich erbarmungslos.

Die letzten Kilometer ziehen sich wieder ewig hin und ich humple mehr, als dass ich laufe. Es fühlt sich an, als ob jemand eine scharfe Klinge in den hinteren Teil meines Schuhes geklebt hätte, die mir jetzt bei jedem Schritt in die Ferse bzw. die Achillessehne schneidet. Ich kann kaum weiter und ich muss mich echt beherrschen nicht loszuheulen. Gott hat allerdings mal wieder erbarmen und schiebt uns gnädigerweise ein paar Wolken vor die Sonne.

Wir kriechen um 17.ooUhr erst in das Kloster des Benedikterordens und beten zu Gott, dass um diese Uhrzeit noch zwei der 24 Betten frei sind. Wieder hat Gott ein Einsehen und wir bekommen ein kleines Zimmer mit 6 Betten zugeteilt, in dem bisher noch keiner liegt. Außerdem haben wir hier unser eigens Klo mit Dusche, dass nur für die sechs Person des Zimmers vorgesehen ist - purer Luxus!

Abends gehen wir in ein „Vesper“, wobei dies ohne Pfarrer stattfindet (der ist gerade außer Haus) und besteht daher größtenteils aus Choralgesängen der Ordensschwestern. Die Nonnen sehen alle genau gleich aus: alt, schrumpelig, etwas pummelig mit Brille und an ihrem Ringfinder thront ein goldener Ring, der Symbol für die Eheschließung mit Gott (oder war es doch Jesus?) steht. Eine graue Maus, der anscheinend noch nicht die Ehre zu teil wurde, die Nonnenkleidung zu tragen, sitzt in ihren grauen Klamotten, ganz unscheinbar zwischen den Schwestern und hält konstant den Kopf gesengt. Ich glaube ich habe noch nie so eine unterdrückte und verängstige Frau gesehen. Wie kann man den so verschüchtert sein? Ich hoffe still für mich, dass ich es in meinem Leben immer schaffen werde, “head held high“ durch das Leben zu laufen.
-->15km

„Dummheit ist, wenn man, wegen dem rechten Fuß, so humpelt, dass einem am Ende des Tages, der Linke noch viel mehr wehtut.“

C|_| 

Dienstag, 6. Oktober 2009

Hornillos-Frómista

22. August 2009:
Manno Meter, was treibt einen Menschen dazu an, freiwillig morgens um 5.00Uhr aufzustehen? Beim besten Willen, ich habe keine Ahnung. Wie dem auch sei, hatten die zwei Chinesen/ Japaner/ Koreaner aus unserem Zimmer wohl irgendeinen Grund. Und eine ½ Stunde später hatte auch das restliche Zimmer einen Grund gefunden und ab ging’s. Um 6.00Uhr erliegt auch Mama und mir bleibt als letzte im Zimmer nichts anderes übrig, als mich ebenfalls Hochzuquälen.
Ohne Frühstück laufen wir noch bei Dunkelheit los und ich muss sagen, dass es echt recht frostig draußen ist. Heiliges Blechle – ich armer Morgenmuffel!

Nach 10km kommen wir nach Hontanas, wo wir bei schönster Morgensonne ein Frühstück vertilgen. Wobei Frühstück ist vielleicht etwas hochgestochen, wenn ich mir so die drei total vertrockneten und staubigen Brotscheiben anschaue, die für mich, wie es aussieht, einen qualvollen Toastertod gestorben sind. Wir schmieren uns ordentlich Marmelade drauf und spülen das Ganze mit einem guten Kaffee con leche (Milchkaffee) runter.

Gestärkt geht es weiter durch die schattenlose, unendliche Landschaft. Schneller als gedacht tauchen plötzlich vor uns die Ruinen des Klosters San Antón auf. Früher wurden hier die Leprakranken Pilger aufgenommen und geheilt und heute bieten die Überreste einen Schattenplatz für die vorbeiziehenden Pilger.

Inzwischen geht der Jakobsweg direkt durch die Überreste des Klosters, sodass man praktisch durch das Kloster durchläuft. (Das ganze erinnert übrigens stark an „Herr der Ringe“) Wir kaufen uns hier ein Taukreuz aus Olivenholz, auf dem in goldenen Buchstaben „San Anton“ steht. Ein Taukreuz ist ein ganz besonders Kreuz, das gerade von Pilgern oft getragen wird. In der Offenbarung des Johannes wird es als Symbol zur Kennzeichnung der Gläubigen verwendet, die erlöst werden sollen und ist somit in der christlichen Lehre ein Bußzeichen.
Nur ein paar Kilometer weiter liegt unser Tagesziel Castrojeriz und wir glauben schon angekommen zu sein. Wir können das Dorf schon von weitem sehen, aber auch egal, wie viele Schritte ich tue, das Dorf will einfach nicht näher kommen. Als wir die ersten Häuser erreichen, brennt die Sonne inzwischen ziemlich erbarmungslos auf uns nieder und somit zieht sich der Weg ewig auf den letzten Metern durch die Vorstadt von Castrojeriz. Völlig erschöpft und ausgelaugt steigen wir die Stufen zu unserer Albergue hinauf und müssen feststellen, dass „unsere“ 5-Uhr-Chinesen/Japaner/Koreaner kurz vor uns angekommen sind und wohl auch heute wieder mit uns einen Schlafraum teilen werden. Tja, so viel Vorsprung hat es ihnen dann auch nicht gebracht, um 5 Uhr aufzustehen….
Die Schmerzen halten sich auch heute wieder in Grenzen, lediglich meine Sehne am Fuß hat den ganzen Tag stark geschmerzt, als ob der Schuh zu eng wäre und das obwohl er gestern perfekt gepasst hat! Komisch…
Nicht nur das Laufen ist übrigens sehr ermüdend, sondern auch die Mittagshitze. Ich packe mich für eine halbe Stunde in den Kühlen Schlafraum (hier gibt es nur einen Schlafraum mit etwa 20 Betten und ein paar Matratzen). Nachdem ich nach meiner Siesta wieder ins Freie trete, erschlägt mich die Hitze förmlich und ich kann kaum noch atmen. Ein echt beklemmendes Gefühl, das ich auch so schnell nicht wieder loswerde.

Wir verplempern den Tag dann wieder im Städtle und sinken abends müde in unsere Betten, die sich natürlich genau neben den Betten unsere 5-Uhr-Japanern befinden (Es sind Japaner, wir haben es im Gästebuch gelesen!). Na das wird ja mal ne echt geruhsame Nacht…
--> 21km

„Auch wenn der Schuh gestern noch gepasst hat, garantiert das nicht, dass er am nächsten Tag noch genauso passt“


23. August 2009:
Punkt 5 Uhr sind die Chinesen aufgestanden – was für eine Pünktlichkeit, das muss man ihnen lassen. Genau eine Stunde später verlassen auch wir den Schlafraum, trinken einen Kaffee und wandern los. Meine Sehne schmerzt unheimlich und ich komme kaum vorwärts. Vor uns liegt ein Tafelberg, wie er steiler nicht sein könnte, mit einem 1,7km langen Aufstieg. Wir quälen uns langsam Schritt für Schritt hinauf und kommen pünktlich zum Sonnenaufgang oben an.

Tja, und nach dem Aufstieg folgt nun mal der Abstieg und der ist im Vergleich zu 1,7km nur noch 300m lang und dementsprechend geht es steil bergab. Schon um 11Uhr ist es brütend warm und vor uns liegt noch ewig viel Weg. Wir kommen an eine Quelle, wo drei ältere Männer Kaffee ausschenken, Obst und Kekse verteilen und jedem Pilgerer ein Lächeln schenken. Das bemerkenswerte an dieser Sache ist, das es nichts kostet. Lediglich ein Behälter für Spenden ist aufgebaut. Für mich ist es unbegreiflich, warum diese Menschen so etwas Nettes tun sollten – ich befürchte solche Leute gibt es viel zu selten (und dennoch belehrt mich der Weg später etwas besseren)…

Gestärkt und nachdenklich geht es weiter, wobei mein Fuß droht sich selber demnächst umzubringen, weil die Schmerzen langsam ins Unermessliche gehen.
Wieder geht es einen Berg hinauf und die Hitze gibt mir den Rest. Langsam merke ich, wie meine Kräfte sich immer mehr verflüchtigen und das obwohl der Weg kein Ende zu nehmen scheint. Weit und breit ist kein Schatten zu finden und man kann die Luft förmlich brennen sehen. Die Füße tun bei jedem Schritt weh und ich weiß nicht, wie ich es bis ins nächste Dorf schaffen soll. Für kluge Gedankengänge bleibt heute keine Zeit, da die Gedanken sich einzig und allein um die Schmerzen und die Hitze drehen. Es hat gefühlte 60°C und die einzige Frage, die mir zwischen den Schmerz in den Sinn kommt, ist, warum ich mir das zum Teufel antun und weiterlaufen sollte. Allerdings ist die Antwort ziemlich einfach, denn würde ich hier stehen bleiben und mich weigern weiterzulaufen, würde ich wahrscheinlich innerhalb der nächsten Stunde an einem Hitzeschlag sterben oder schlicht und einfach verdursten.

Also kriechen wir praktisch nur noch auf allen Vieren ins Dorf. Eigentlich haben wir uns für heute noch weiter 6km vorgenommen, aber ich kann kaum glauben, das ich jemals wieder laufen werden kann – zumindest nicht auf diesen Füßen!
Erstaunlicherweise geht es dann nach einer Cola, einem riesen Bocadillo und einer halben Stunden Pause relativ gut wieder. So ziehen wir also mitten in der fettesten Mittagshitze (um Punkt 12) weiter. Eigentlich total dumm, da wir davon ausgehen hätten können, das wieder kein Schattenplatz zu finden sein dürfte. Doch irgendein überaus netter Mensch hat sich dem Leid der Pilger wohl angenommen und hier und da ein paar Bäume an den Wegesrand gepflanzt. Immerhin, besser als nichts! Außerdem hat Gott wohl heute seine Spendierhosen an, denn auf dem ganzen Weg nach Frómista weht ein netter Wind. Wäre das nicht der Fall, hätten wir diesen Weg eher nicht überlegt, denn es ist so warm, das man, wenn der Wind nicht weht, kaum atmen, geschweige denn laufen kann. Danke Gott, dass du Erbarmen mit uns hast…

Wir kommen mehr schlecht, als recht in der Stadt an und können praktisch keinen Schritt mehr tun. Für 7 Euro leisten wir uns heute eine nette private Herberge. Alles tut weh, es melden sich Muskeln, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie besitze.
Abendessen tun wir in einer Bar und ich schwöre, dass Viggo Mortensen (auch besser bekannt als Aragon, der Waldläufer in „der Herr der Ringe“) an unserem Nebentisch sitzt. Er ist ihm aus dem Gesicht geschnitten, ein paar Jahre jünger vielleicht. Nur das markante “Arschkinn“ fehlt, was ihn aber auch nur hübscher macht. Ich bin kurz davor ihn um ein Autogramm zu bitten.
Ebenfalls am Nachbartisch sitzt ein junger Mann, um die 20, top gestylt mit Lederschuhen, Bügelfalte in der Hose und mindestens 2kg Haargel in den Haaren. Ich hätte felsenfest behauptet, das er ein einfacher Tourist ist, den kein Mensch würde so ein Outfit mit zum Pilgern nehmen, aber Mama kann ihn zweifelsfrei als Pilger identifizieren, der uns vor ein paar Tagen schon schwer schwitzend begegnet und aufgefallen war, da er und sein Kumpan jeweils eine Frauenhantel dabei hatten, der Teufel weiß warum. Übrigens war dieser Kumpan, samt Hantel, auch wieder mit am Start. Was das gibt, wenn’s fertig ist, werden vielleicht noch sehen…
--> 26km

„Der Schmerz übertönt jeden Gedanken und nur die Hitze siegt über den Schmerz“

C|_| 

Samstag, 26. September 2009

Camino de Santiago - 2009


I won’t stop walking until I know where I’m going…


…ich mache meine Augen auf und weiß, es ist soweit. Jetzt und hier, beginnt mein Weg.
Aber zurück zum Anfang: schon damals vor 2 Jahren, als ich die letzten Schritte auf dem Jakobsweg gelaufen bin, wusste ich, ich werde früher oder später, den Weg beenden. Und so ist es auch gekommen. Der Weg hat praktisch nach mir gerufen und jetzt endlich bin ich seinem Rufen gefolgt. Meine Mum und ich beschlossen den Weg dieses Jahr in den Sommerferien endlich zu beenden. Flüge wurden gebucht, Reiseführer durchgeblättert und jedes Gepäckstück einzeln abgewogen. Am 22. August ging unser Flieger von Frankfurt (Hahn) auf nach Santander in Spanien. Von dort nahmen wir den Bus nach Burgos, jener Stadt, in der wir unsere letzte Pilgerreise beendet hatten.
Und genau dort, wache ich heute am 21. August 2009 auf und werde den ersten Schritt auf meinem persönlichen Weg gehen.

„Wende dich nach innen und höre die Stimme der Stille. Und mach’ es wie ich: Setz’ einen Fuß vor den anderen und üb’ dich im einfachen Leben auf der Straße“ Paul Martin Clotz


21. August 2009:
Wir lassen alles etwas ruhiger angehen, da wir beim letzten Mal schmerzlich feststellen mussten, was es heißt, sich zu übernehmen. So haben wir im Voraus schon eine kleine Etappe von “nur“ 16km uns ausgeguckt. Nach kleinen Startschwierigkeiten den Weg zu finden, folgen wir doch dann endlich 9 km den gelben Pfeilen durch eine karge fast wüstenartige Steppe, die sich vor uns unendlich weit ausbreitet. Der Himmel leuchtet wunderschön blau du die gelben Weizenstoppel erstreben sich über endlose Weiten.


Schmerzen habe ich erstaunlicherweise eigentlich kaum und so kommen wir sehr früh an unserer ersten Zieletappe, in Hornillos del Camino, an. Hornillos ist ein sehr verschlafenes und typisch spanisches Minidorf mit 89 Einwohnern, die sich zur Mittagszeit aber auf keinen Fall auf den Strassen des Dorfes blicken lassen.
Um 12.00Uhr “checken“ wir in unsere erste Albergue ein, die direkt neben der Kirche liegt. Die Herberge ist eigentlich relativ sauber, wenn man mal von den total versifften Matratzen absieht, auf die sich wirklich kein Mensch mehr legen möchte. Wir werden in einem Schlafraum mit 10 Betten untergebracht, der allerdings nicht mal eine Türe besitzt.

Den restlichen Tag verbringen wir damit, in der Sonne zu dösen und zu genießen wieder auf dem Weg zu sein. Allerdings dehnt sich der Tag ewig hin, da es einfach rein gar nichts zu tun gibt und man nicht mehr außer schlafen und essen machen kann. Ich habe weder meinen heißgeliebten I-Pod dabei, noch ein Buch und an Internet ist in dieser Gegend schon gar nicht zu denken. Eine Frage stellt sich mir im Laufe des Tages immer wieder: was würde ich machen, wenn ich hier leben würde? Leider fällt mir darauf nun echt keine Antwort ein.
Eine weitere Frage, über dich in den letzten Tagen auch schon öfters nachdenken musste ist, was ich mir eigentlich verspreche, hier auf dem Weg zu finden. Klar, der Weg hat förmlich nach mir geschrieen, aber dennoch, was treibt mich an, das hier wirklich durchzuziehen? Bin ich auf der Suche nach mir? Oder auf der Suche nach Gott? Vielleicht nach Beidem, ich weiß es nicht. Vielleicht weiß ich was ich suche, wenn ich es gefunden habe. Und bis dahin, bleibt mir nichts anders übrig, als zu laufen und zu warten, bis es sich mir offenbart, was mir übrigens irgendwie auch Angst macht. Laufen in das Ungewisse.

-->16km

„Der Himmel ist blau, so blau

Und der Rest deines Lebens wird schön…“
Himmelblau – die Ärzte



C|_| 

Mittwoch, 19. August 2009

"ich bin dann mal weg" - Teil 2

und wieder geht's los - morgen in der Früh gehts auf nach Spanien!
Wandern, wandern, wandern - ca. 500km - ziemlich genau drei Wochen zusammen mit meiner Mum... mal schauen, was dabei rauskommt!
Machts gut, ab dem 12. September bin ich wieder im Lande.
Hasta luego...

Montag, 20. Juli 2009

"[...] Hate is a strong word
But I really really really don't like you [...]"
Plain White T's - Hate

Freitag, 10. Juli 2009

NEWS

Gestern vor einem Jahr stand ich am Flughafen in Friedrichshafen und habe von meiner Familie Abschied genommen. Ich bin aufgebrochen in ein neues Leben auf Zeit. In diesen drei Monaten habe ich mich zweifelsfrei verändert. Und die Veränderung hat auch noch ein Jahr nach Neuseeland angehalten. Ich glaube, dass Neuseeland bzw. meine Zeit dort, mir gelehrt hat, mehr zu leben – ausgelassener zu leben. Das letzte Jahr hatte auf jeden Fall viele Hochpunkte, aber genauso wie ein paar Rückschläge.
Die Rückkehr nach Deutschland war auf jeden Fall nicht leicht und die Sehnsucht nach dem Leben in NZ beschäftigt mich immer noch jeden Tag. Ich versuche so gut ich kann den Kontakt zu meinen Freunden aus dieser Zeit zu halten, was mehr oder weniger auch klappt. Und gerade erst vor ein paar Tagen, habe ich mal wieder eine Postkarte an meine Hostfamily geschrieben. Aber ich kann nicht abstreiten, dass ich jetzt hier lebe und hier meine Familie und meine Freunde habe. Mit meiner besten Freundin „Frau Hoffemanne“ hatte ich extrem viel Spass in dem vergangenen Jahr. Wir haben viel zusammen gelacht, aber auch viel gemeinsam geweint. Naja, das Leben will halt nicht immer genau so, wie man selber will ;-)
Gerade in den letzten Monaten hab ich einiges über falsche Freunde, Intrigen, Lügen, Schlampen/Arschlöchern, Aggressivität, Alkohol und Rufmord gelernt. Aber gut, das ist ne andere Geschichte (bzw. mehrere) :D
Dieses Jahr (ich muss mal kurz dazu sagen, dass ich eher in Schuljahren (also von September bis Juli) zähl, als in Kalenderjahren) war ich auf meinem ersten Festival, hab meinen Führerschein bestanden,hab meine Englischnote erheblich verbessert, viele neue Leute kennengelernt, bin an meine Grenzen gekommen und habe extrem viel erlebt. Man kann sagen, es war ein gutes Jahr :)

In den Sommerferien werde ich zusammen mit meiner Mum den Jakobsweg in Spanien zu Ende laufen. Drei Wochen lang mit ca. 10kg Gepäck knapp 400km pilgern und einfach nur ausspannen und wieder zu sich selber finden. Ich freu mich drauf.

Außerdem leite ich seit einigen Wochen nicht mehr die Wölflinge, sondern die Jungpfadfindern (Kinder von 11-14Jahren). Ich muss sagen, dass das eindeutig entspannter und angenehmer ist, als die Kleinen.

Den Thalamus habe ich leider etwas aus meinem Leben verdrängt. Ich hatte schon nach der letzten Ausgabe keinen Bock mehr, diese Arbeit weiterzumachen, weil sie einfach viel zu deprimierend und Zeitaufwändig ist. Und somit hab ich zwar angefangen eine neue Ausgabe zu layouten, werde sie aber sicherlich nicht in diesem Jahr fertig machen. Ich habe einfach jetzt neue Prioritäten gesetzt und zu denen gehört der Thalamus nicht mehr dazu.

Nächstes Wochenende ist Seehasenfest und ich freue mich schon riesig drauf. Hoffen wir mal, dass gutes Wetter wird. Dieses Jahr müssen wieder einige aus der 11. Klasse am Seehasenumzug teilnehmen und ich gehöre (leider) auch dazu. Na ja, Hr. Dr. Frey (unser Schulleiter) lässt aber ausrichten, dass es eine persönliche Bereicherung für den Jeden ist und wenn der das sagt, muss es ja stimmen. Mal schauen, vllt wird’s ja ganz lustig, auch wenn wir in schweren, mehrschichtigen Trachten laufen müssen :D Also wer was zum Lachen haben will, sollte zum Umzug kommen…

So das wäre erstmal wieder das Neuste aus meinem Leben…

Montag, 29. Juni 2009

Southside Pics...

So hier die versprochenen Bilder, sind aber leider nicht in der richtigen Reihnfolge...


Spricht für sich selber :D




Blue Stage kurz vor dem Auftritt von the ting tings



Festival Gelände



Culcha Candela, ganz nah!








Doppelkeks?


unser schiefer Pavillion


unser Zelt (das Rote)


Eda+ich und zwei Pfadfinder, die noch schmutziger waren, als wir :D


bei the Sounds im strömenden Regen





Eda, Anna + Schwester und ich


...und nein, es ist nicht Kacke....


Fettes Brot!


The Sounds - der Hammer!



Matsch und Regen überall...


Clueso singt "Die Sonne geht auf" und die Sonne geht auf...


Clueso (Clue und O mit der Vorband s)


Blue Stage


Eda und Ich





letzter Tag, Sonntag Mittag

Mittwoch, 24. Juni 2009

brumm brumm, der partybus geht rum...

...und zwar mit mir am Steuer! Denn freuet euch:

Ich hab meinen Führerschein bestanden. Seit Freitag bin ich nun also in Besitz eines pinken Lappens, mit dem ich (leider nur in Begeleitung meiner Eltern) durch die Lande düsen darf. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was für ein Stein mir vom Herzen gefallen ist.

Letztes Wochenende war ich aufm Southside. Das ist n fettes Festival in Neuhausen ob Egg und ich kann sagen, es war einfach nur der Hammer. Gut, das Wetter hätte besser sein können, aber das hat uns die Laune auch nicht verdorben. So nah bei Clueso, Fettes Brot, den Ärzten, Culcha Candela, the Ting Tings, the Sounds, Franz Ferdinand, Katy Perry, Neka, Caramello Santo und vielen mehr zu stehen, ist einfach unbeschreiblich.
N' paar Bilder kommen dann noch ;-)

Mittwoch, 17. Juni 2009

!!! SHIT HAPPENS !!!

Donnerstag, 28. Mai 2009

Alltagsgequatsche

Also nicht dass ih euch jetzt wundert, warum ich hier Bilder von unserem Garten und ähnlichen reinstelle, aber die sind hauptsächlich für meine Eltern. Die sind nämlich gerade in Malaysia unterwegs und haben von dem Sturm vor zwei Tagen natürlich nichts mitbekommen. War ein übler Sturm der einiges zerstört hat. Naja und damit sie die Bilder einfacher anschauen können (und das schneller geht, als die Bilder in einer Mail hochzuladen) stell ich sie einfach mal hier rein ;-)











So: wie oben schon gesagt, sind meine Eltern für knapp 3 Wochen in Malaysia und meine Brüder wie immer an der Uni. Somit bin ich jetzt allein Zuhause :) Jeee! Pizza, Pommes, Knoblauchbaguettes, 5-min-Terrinen, etc über drei Wochen (wobei ich 5 Tage auf einer Hütte in der Schweiz mit meinen Pfadfindern bin). Inzwischen merke ich, dass Aufräumen einfach nicht so meine Stärke ist, aber naja...

Führerschein läuft, hatte neulich Nachtfahrt (135min!) bei strömenden Regen, welch ein Spass. Jetzt fehlt nur noch Autobahnfahrt und eine weitere Überlands. Das dürfte zu schaffen sein.

Tjo, viel mehr neues gibts auch nicht mehr... Man lebt so vor sich hin ;)