Sonntag, 15. Januar 2017

Ich nehm dich mit... (IV)


20. August - Tag 8: Kakula - Arugam Bay

Laut dem Manger unseres Hotels kann man sich einfach gegen 9.30 Uhr an die Straße stellen und dort einen Bus nach Arugam Bay nehmen... Er hätte den Busfahrer auch schon angerufen und Bescheid gesagt... ah ja, na dann - man kennt sich wohl hier. Gegen 9.30 Uhr düst dann ein roter klappriger Bus an uns vorbei, aber in die falsche Richtung. Man informiert uns: das ist der Bus, aber der fährt jetzt erst ne Schleife und kommt dann gleich wieder. Als er 30 min später immer noch nicht zurück kommen, fragen wir wieder nach: ja, der frühstückt wohl noch und kommt dann - alles klar.... um 10.10 Uhr taucht der Bus dann wieder aus der Ferne auf, verlangsamt auf Schrittgeschwindigkeit und öffnet die Türen. Reinspringen ist also angesagt, soweit das mit einem 13kg schweren Rucksack halt geht... Es geht vier Stunden über Stock und Stein die Ostküste runter und immer wieder verlangsamt der Bus sich ein bisschen und neue Leute springen rein. Relativ schnell ist er dann schon proppenvoll, es ist unglaublich heiß und man klebt an den Sitzen fest. Es ist also fast wie ein Spiel: möglichst lange sitzen bleiben und so lange wie möglich aushalten, dass die Oberschenkel Eins werden mit dem Plastik der Sitze und wenn es dann wirklich nicht mehr auszuhalten ist, ruckartig erst den einen Schenkel, dann den anderen, in einer gleichmäßigen schnellen Bewegung vom Sitz lösen, so wie wenn man ein Pflaster abzieht. Gewonnen hat der, der danach noch die Haut an den Oberschenkeln und sie nicht an den Plastiksitz verloren hat.
In irgendeinem Minikaff müssen wir umsteigen und weiter geht die rasante Holperfahrt. Irgendwann wird uns wild gestikulierend klar gemacht, dass wir jetzt da sind und hier raus müssen. Wir werden direkt von 180 TukTukFahrern angesprungen, von denen einer uns dann die letzten zwei Kilometer nach Arugam Bay zu unserem Hostel fährt... Dort angekommen trifft uns der Schlag - wir sind ja einiges gewöhnt, aber das ist wirklich unterirdisch. Unser "Zimmer" besteht aus einem oben offenen Mini-"Raum", der nur durch ein paar Pressparnwänden abgeteilt ist, die mit goldenem Stoff behängt sind. Der Raum ist genau so groß, dass zwei Holzpritschen reinpassen auf denen eine ein Zentimeter dicke "Matratze" liegt. Überall sind Vogelschisse und es müffelt und ist dreckig - oh Gott... Wir laden unser Zeug ab und gehen erstmal an den Strand. Dort kommt aber auch keine Entspannung auf, da ganz ekelhafte, streunende Hunde mit Schaum vor den Mäulern und sonst welchen Krankheiten um uns rum rennen und sich ankläffen... Wir laufen also etwas am Strand lang und treffen ein Mädel, die mit uns in Kandy im gleichen Hostel war. Die erzählt uns von einem Hostel den Strand runter, wo es gut sein soll und auch nicht zu teuer. Wir laufen da also hin, aber die sehr nette Managerin erklärt uns, dass alle Dorms für diese Nacht schon ausgebucht sind, aber sie könnte uns ein Zelt aufstellen für die Nacht und dann könnten wir morgen umziehen in ein Dorm. Das Zelt kostet uns 500R pro Nacht (also 3 Euro für uns beide zusammen) und sieht gemütlicher und sauberer aus, als unser Zimmer... Kurzerhand beschließen wir, dass andere Hostel zu stornieren, da wir es über Booking.com reserviert haben, kann man noch bis 18 Uhr kostenlos stornieren - nicht gerade die feine Art, aber das was die da anbieten ist ja auch nicht gerade Kundenfreundlich... Wir holen unsere Rucksäcke also wieder aus dem Zimmer, geben den Schlüssel zurück und werden ohne große Probleme raus gelassen. Keiner scheint allzu verwundert - das sind sie wohl gewöhnt, dass hier Leute wieder flüchten. Wir richten unser Zelt ein und gehen dann dort an den Strand und ins Meer - hier ist selbst der Strandabschnitt schöner und sauberer. Nach einer langen, warmen Dusche, wird uns die Bar "Hide-Away" empfohlen, wo gerade Happy Hour sein soll... Wir schlendern also zu der versteckten Bar, die von kleinen Öl-Lampen ausgeschildert wird und sich in einem kleinen dschungelartigen Areal befindet. Dort gibt es zur Happy Hour den besten Cucumber-infused-Gin-Tonic, den meine Geschmacksnerven je probieren durften, für gerade mal 1,50 Euro, während ein Mann mit seiner Gitarre die passende Hintergrundmusik liefert, während wir auf Bambusmatten und Kissen auf dem Boden chillen, die Füße im Sand umgeben von Kerzenlichtern und der warmen Abendluft. Willkommen im Paradies... [...] 





bestes Busessen überhaupt: "Dhal Vade" (frittiertes Linsenzeugs mit Zwiebeln und Pepperonie)

Umstieg in den nächsten Bus


Unser "Zimmer"

Arugam Bay

Unser Zelt

Hide-Away


Sonntag, 23. Oktober 2016

Ich nehm dich mit... (III)



18.August - Tag 6: Dambulla

Es hämmert gegen die Tür und ich bin für einen Moment mehr als orientierungslos... was soll der Quatsch?! Und dann dämmert es mir: wir haben verschlafen! Es ist 5.07 Uhr und wir wollten um 05.00 Uhr im TukTuk sitzen, um den Sonnenaufgang vom Pidurangala Rock zu erleben, einem Nachbarhügel neben dem "bekannten" Lion Rock. Aber Lena hat den Wecker falsch gestellt und so springen wir aus dem Bett, ziehen uns an und sind innerhalb von fünf Minuten fertig und sitzen im TukTuk zusammen mit einer anderen Deutschen, die sich uns gestern schon angeschlossen hat. Wir düsen 45min durch die Dunkelheit bis wir am Fuße des Pidurangala Rock ankommen und wild wedelnd von unserem TukTukfahrer im Stechschritt zum Eingang gescheucht werden. Dort kaufen wir ein Ticket für 500 Rupien, was ein Schnäppchen ist im Vergleich zum Lion Rock, wo es  nämlich 4.300 Rupien gekostet hätte, was eine absolute Unverschämtheit ist für einen lächerlichen Felsen in der Gegend. Einheimische zahlen übrigens 50 Rupien statt 4.300 - ich find es ja schon gerecht, dass man den Ausländern mehr Geld abknüpft als den Einheimischen, aber der Unterschied zwischen 50 und 4.300 ist schon etwas zu groß, wenn man mich fragt... Sobald wir das Ticket in Händen halten, ausgestellt von einem alten, zahnlosen Mönch, werden wir wieder vorwärts gescheucht. Halb joggend quälen wir uns unzählige mehr oder weniger vertrauenerweckende Stufen hoch, während unser TukTukfahrer immer wieder drauf besteht, dass wir schneller rennen.... Himmel hilf, er steht ja selber kurz vor dem Kollaps und auch auf meiner Stirn bilden sich die ersten Schweißperlen ab.... Nach sportlichen 40min Stufen klettern und Sprinteinlagen durch den Dschungel, kommen wir endlich auf dem Felsplateau an als sich gerade die ersten Strahler der Sonne ihren Weg über die Gipfel der Bäume bahnt... Alles ist in ein mystisches Licht getaucht und es ist eine wundervolle Stille hier oben. Das ganze Gehetzte hat sich gelohnt, auch wenn unser TukTukfahrer aussieht, als bräuchte er gleich Widerbelebungsmaßnahmen. Hier oben scheint es als würde die Welt still stehen, alles ist so ruhig und so weit weg. Wir sitzen am Felsrand und schauen der Sonne beim Aufgehen zu. Das sind die Momente, in denen ich tief durchatme und einfach dankbar bin, dass ich die Möglichkeit habe zu reisen und solche einzigartigen Augenblicke erleben darf. [...] 





 


Freitag, 7. Oktober 2016

Ich nehm dich mit... (II)



16. August - Tag 4: Kandy

[...] Nach dem langen Rumlaufen in der Stadt und den verschiedensten Tempelbesichtigungen, kehren wir gegen Abend zurück in unser Hostel. Die Stadt ist wegen der Parade auch heute wieder komplett abgesperrt und von daher ist das mögliche Abendprogramm jetzt nicht mehr allzu variable. Wir kommen ins Gespräch mit einem Engländer und nach längerem Planen unserer nächsten Tagesetappen sind wir uns alle einig, dass jetzt ein kühles Bier genau das Richtige wäre. Allerdings herrscht in Kandy während der 10tägigen Feier "Esala Perahera" komplettes Alkoholverbot in der Stadt. Der Engländer erzählt uns aber, dass der Hostel"manager" schon mal Alkohol für andere Gäste organisiert hätte und so beschließen wir ihn zu fragen, ob das wieder möglich ist. Hätten wir gewusst, wie der Abend aufgrund dieser Entscheidung verlaufen würde, hätten wir uns mit einer Cola zufrieden gestellt... Wir fragen den überaus netten und hilfsbereiten kleinen Mann, der das Hostel eben schmeißt, also unschuldig wo wir den Bier bekommen können, worauf er uns erzählt, dass man dazu mit einem TukTuk aus der Stadt ins nächste Dorf fahren muss, wo die gesetzlichen Auflagen des Alkoholverbots von Kandy nicht hinreichen. Nach kurzem Hin und Her schlägt er uns dann einen Deal vor: er würde zusammen mit dem Engländer ein TukTuk nehmen und den Alkohol organisieren, wenn ich derweil sein Hostel übernehme, da er noch auf eine Person wartet, die noch einchecken muss. Preis fürs TukTuk 700 Rupien (~ 4Euro) und 350 Rupien (~2Euro) pro Bier. Nach einer kurzen Einweisung in sein Buchungssystem, den Schlössern zur Haupttür und dem Telefon düsen die Zwei also los, während ich hinter der Rezeption Platz nehme. Irgendwann kommt Lena vom Duschen und zusammen sitzen wir hinter der viel zu hohen Rezeption und lachen über die Irrsinnigkeit dieser Situation. Ich wollte ja schon lange mal ein Hostel managen... Alle paar Minuten laufen Leute dabei, die ungläubig reinstarren und uns mit großen Augen anschauen, teilweise sogar stehenbleiben oder vorbeilaufen und noch mal zurück kommen um noch einmal reinzuschauen, ob sie tatsächlich richtig gesehen haben... Keine Ahnung, was der Skandal genau ist - vielleicht weil wir weiß sind, vielleicht weil wir Frauen sind, vielleicht weil sie eigentlich wissen wer der Hostelmanager ist, oder vielleicht auch nur weil wir ziemlich witzig aussehen, wie wir da sitzen und nur unsere Köpfe über den Tisch reichen... Ansonsten kommen ein paar Leute vorbei um zu fragen um noch Betten frei sind, ein paar Leute wollen rein- oder rausgelassen werden und ein Typ kommt, der eingecheckt werden möchte und meint er kennt den Manager und er hat eine Reservierung. Ansonsten bleibt es zum Glück ziemlich ruhig.
Eigentlich hatte er uns versprochen, dass er maximal eine halbe Stunde lange weg ist, aber nach zwei Stunden werden wir langsam unruhig und immer noch ist weit und breit weder der Engländer, noch der Manager noch Bier zu sehen... Gerade als ich beunruhigt schon versuche ihn auf dem Handy anzurufen, hält das TukTuk mit den beiden vor der Tür. Die Polizei hat sie direkt nach dem Bierkauf angehalten und Locals dürfen über die Festtage überhaupt keinen Alkohol mit sich führen und Ausländer maximal 10 Liter. Leider hatten die Zwei auf Reserve gekauft und mehr als 10L mit dabei... Die Folge: der Engländer musste alles Bier abgeben und durfte nach langem Diskutieren eine Flasche behalten, der Hostelmanager hat eine Anzeige bekommen und muss vor Gericht erscheinen. Dementsprechend ist er auch fertig mit den Nerven... Somit sind mehr als zwei Stunden vergangen, wir haben einen Batzen Geld verloren, haben zwei Stunden umsonst gearbeitet und trotzdem immer noch kein Bier - sind aber um eine witzige Geschichte reicher... [...]





Samstag, 1. Oktober 2016

Ich nehm dich mit...



Die letzen Monate waren eine einzige große Aneinanderreihung von Ereignissen. Ich habe mein Praktikum in Tübingen abgeschlossen, habe meine letzte Klausur geschrieben, bin nach Norwegen geflogen um eine Freundin zu besuchen, bin nach Amsterdam geflogen wegen einem Jobangebot, habe meine Bachelorarbeit geschrieben und meinen Bachelor somit erfolgreich abgeschlossen, habe nach 3,5 Jahren Tübingen verlassen, bin nach Berlin gezogen und habe dort ein Praktikum gemacht, habe mich unendlich in die Stadt verliebt und musste schweren Herzens dann einen Studienplatz in Stuttgart annehmen, wo ich ab Mitte Oktober meinen Master in Digital Humanities anfangen werde. Dann bin ich für 6 Wochen mal wieder nach Asien geflogen, genauer nach Sri Lanka und Indonesien. Die Vielzahl an Erlebnissen, die ich dort erlebt hab, lässt sich kaum in Worte fassen, so habe ich immerhin ein ganzes Buch als Reisetagebuch vollgeschrieben. Und da das zu viel ist um es alles abzutippen, gibt es nur ein paar Ausschnitte daraus: ich nehm dich mit - mit auf meine Reise...


~ SRI LANKA ~

15. August -  Tag 3: Colombo - Kandy

Viel zu spät quälen wir uns hoch aus unseren Hostelbetten, packen und steigen die Treppe zur Dachterrasse hoch, wo es Frühstück geben soll. Frühstück heißt in diesem Fall kalte Nudeln, Reis und scharfe Soßen und Curry-Pampe, dazu Krümelkaffee mit Milchpulver... Wir essen nur des Hungers wegen, checken aus und stellen fest, dass wir nicht mehr genügend Bargeld haben für die TukTuk-Fahrt zur Zugstation und dazu auch noch viel zu spät dran sind - Anfängerfehler! Wir müssen uns wohl erst noch ans Reisen wieder gewöhnen. Nach der üblichen hitzigen Diskussion um den  Preis quetschen wir uns mit unseren riesigen Rucksäcken ins viel zu kleine TukTuk auf die Rückbank und haben schon die ersten Schweißperlen auf  der Stirn, obwohl es noch nicht mal 8 Uhr ist. Nach langem Zureden, der zehnten Wiederholung des Wortes "ATM" und wildem Gefuchtel schaffen wir es den TukTuk-Fahrer einzubläuen, dass er an einem Geldautomat halten muss, wo Lena rausspringt um Geld abzuheben. Natürlich spuckt dieser ATM nur einen 5.000 Rupien Schein aus, was in diesem Land einem 500 Euro Schein gleichzukommen scheint, wenn es darum geht, Wechselgeld zu haben. Genau genommen sind es aber nur umgerechnet 30 Euro. Das heißt wir kommen am Zugbahnhof an, 10 Minuten vor der geplanten Abfahrt und müssen verzweifelt versuchen, diesen Schein irgendwo zu wechseln... Aber wahrscheinlich wäre es einfacherer alle Leute in der Schlange vor dem Ticketschalter zu überreden jetzt nackt eine Polonäse durch ganz Colombo zu machen, als jemanden zu finden, der gewillt ist, den 5.000 Rupien Schein zu wechseln... Ich versuche dann an einem anderen ATM Geld abzuheben, in der Hoffnung, dass dieser kleinere Scheine ausspuckt und siehe da - Glück gehabt! Wir bezahlen also endlich den sehr entspannten Fahrer, und sprinten zum Bahnhofseingang. Der dortige Ticket-Durchreißer schaut auf unser Ticket und meint "No train. This no". Blanke Panik im Gesicht und unser etwas zu laut geratenes "What? WHY?" lässt ihn direkt laut lachen und er haut ein "joke" raus... Witztiger Humor, dummer Depp. Wir werden zum richtigen Gleis gefuchelt, und wie es so ist, kommt der Zug zwar immerhin pünktlich um 9.00 Uhr, bewegt sich aber vor 9.45 Uhr keinen Zentimeter. Wir sitzen auf den unbequemsten Sitzen des Jahrhunderts: mein Kopfteil ist nur noch zur Hälfte vorhanden und deswegen verfangen sich meine Haare ständig in dem Schaumstoff-Innenleben der einstigen Kopfstütze. Die Lehne ist so gerade und die Polster so hart, als wollte jemand die Passagiere bewusst quälen und zudem sitzen wir auch noch entgegen der Fahrtrichtung. Es hat gefühlte 180 Grad und natürlich ist der Zug auch komplett überfüllt. Das kann was werden... Als der Zug sich unter lautem Geächze langsam aus dem Bahnhof bewegt und nur minimal schneller wird über die Strecke, merkt man dass man es eben nicht mit einem guten deutschen ICE zu tun hat, sondern es sich eher anfühlt, als würde der Zug gar nicht auf Schienen fahren sondern eher einen unbefestigten Geröllhang heruntergeschoben werden.... Ich versuche zu dösen, aber da mein Kopf ständig gegen die Steinwand, die sich Sitz schimpft, schlägt und an mir auch ansonsten ein Wasserfall an Schweiß runterfließt, ist an schlafen eher nicht zu denken. Nach der Hälfte der Zugfahrt tauschen Lena und ich die Plätze und ich sitze dann am Fenster, kann dort meine schon halb abgestorbenen Beine aus dem Fenster hängen lassen und bekomme etwas Abkühlung durch den Fahrtwind. Die Landschaft ist sehr schön und der Zug schlängelt sich durch Reisfelder, Palmenwälder, durch unendliche Grünflächen auf denen Rinder grasen. Wir kommen durch kleine abgelegene Dörfer, wo Kinder barfuss "Fangen" im Lehmdreck spielen und streunende Hunde auf den Straßen dösen und sich von nichts und niemanden stören lassen. Die Sonne verschwindet hinter Wolken und auf einmal öffnet der Himmel seine Schleusen und kalter Regen klatscht mir ins Gesicht. Die Fenster kann (und will) man nicht zumachen, also heißt es nass werden. Aber wie es in Asien üblich ist, meldet sich auch bald die Sonne wieder zurück und taucht das Land in mystisches Licht. Nach vier Stunden Rückwärtsfahren ist mir nicht nur schlecht, sondern auch meine Geduld hat langsam aber sicher das Ende erreicht und ich bin mehr als froh, als wir unsere festgebunden Rucksäcke wieder aus den Gepäckfächern hieven können und endlich in Kandy aussteigen dürfen, um uns in das Meer von wartenden Taxi- und TukTuk-Fahrern zu werfen, die sich auf uns stürzen wie Tiere bei der Fütterung. [...]







Mittwoch, 2. Dezember 2015

Niemand hat gesagt,...


...dass erwachsen werden einfach ist. Niemand hat dich gewarnt, was alles auf dich zukommt. Und das ist vielleicht auch gut so. Manche Sachen sind nur Stückweise und Schritt für Schritt zu schaffen. Letztes Jahr hatte ich ein gigantisches Jahr: ich hatte ein super Sommersemester mit einer tollen Truppe an Freunden. Wir haben in der Sonne gelegen, und sind in Vorfreunde aus das Auslandssemester ertrunken, mit all den Erwartungen und Hoffnungen. Und dann kam das Auslandssemester und es hat jegliche Vorstellung und Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern überstiegen. Ich habe Dinge erlebt, die man in seinem Leben nur einmal die Chance dazu hat, ich bin Helikopter über den Grand Canyon geflogen, ich war auf dem größten Heißluftballonfestival der Welt, ich habe unglaubliche Freundschaften geschlossen, den Winter überlistet, Hawaiianische Luft geatmet, Kalifornien erobert, Kindheitserinnerungen aufleben lassen, in Vegas gezockt, nach Mexiko zurückgekehrt, mich verknallt, und Puerto Rico und Indonesien alleine bereist und Lieben gelernt. Und dann ging das Semester wieder los und die Realität hat wieder eingesetzt. Miese Dozenten, der Krebs der den Vater einer Freundin nimmt, der Freundeskreis der einem immer mehr wegbricht, der dumme machohaftige Freund, der dir die beste Freundin stiehlt, unfaire Benotungen in der Uni, der Typ der dich doch bloß verarscht hat, alles verändert sich und immer diese Angst vor der Zukunft, die Angst vor dem Versagen. Auf einmal wacht man auf und fragt sich wo man geblieben ist. Alles gestaltet sich auf einmal so anders als man das erwartet hat. Sie sagen dir, dass du noch so jung bist und dass die Angst etwas zu verpassen, die besten Jahre vergeudet zu haben, ist unberechtigt - aber was, wenn sie dass nur sagen, damit du dich besser fühlst? Was, wenn sie das nur sagen, weil sie andere Erwartungen vom Leben haben? Aber was, wenn sie sich irren? Was, wenn du eines Tages aufwachst und du hast es vermasselt? Dem falschen Typ adieu gesagt, das falsche Studienfach ausgesucht, den falschen Dozenten gewählt, die falschen Freunde behalten, in der falschen WG gewohnt, die falschen Praktika und Jobs angenommen und die Zeit nicht richtig genutzt? Was, wenn du an Krebs in deinen 30er stirbst? Was, wenn du viel weniger Zeit hast, als du denkst? Was wenn du nie die große Liebe findest, nie Kinder bekommst, nie genug Geld verdienst? Was, wenn du nicht hart genug dafür gekämpft hast oder es erst zu spät gemerkt hast? Und was, wenn du dich immer falsch entschieden hast, und 90 wirst, und für immer damit leben musst?
Nächstes Jahr muss ich mich entscheiden, wie mein Leben weiter gehen soll. Welchen Master ich machen will, wie und wo. Ich werde umziehen müssen, eine neue Wohnung suchen, neue Freunde finden, neue Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die mein komplettes restliches Leben beeinflussen und bestimmen werden. Was, wenn ich mich falsch entscheide? Was, wenn ich einzigartige Chancen verpasse? Und was, wenn alles gut wird? Ich bin hin und her gerissen zwischen der Tatsache, dass noch so vieles offen und noch unentschieden ist und der Tatsache, dass noch so viel schief gehen und falsch entschieden werden kann...  Niemand hat gesagt, dass erwachsen werden einfach ist. Es kommt einiges auf einen zu...
  
"Man sagt am Ende wird alles gut.
Und wenn es nicht gut ist, kann es auch nicht das Ende sein." 
- Casper
 


Dienstag, 20. Oktober 2015

Ich bin zurück...

... und habe es mal wieder nicht geschafft von unterwegs zu posten. Ohne eigenen Laptop ist das einfach so schwer und außerdem hat die Zeit irgendwie gefehlt. Wir waren non-stop unterwegs und haben eine Aktion nach der anderen gestartet. Ich hab in den vier Wochen einfach so viel gesehen und gelebt, dass es schwer ist, das alles in Worte zu fassen. Vietnam hat mir super gefallen, so schöne Landschaften, so viel Abwechslung, von  roten Dünen über Dschungel, Strand und Berge, bis hin zu saftig grünen Reisfeldern, Tempeln und endlosen Weiten durchzogen vom Mekong. Die Leute waren alle sehr nett, und unerwartet zurückhaltend und unaufdringlich (also viel unaufdringlicher als in Indonesien oder Thailand). Und alles soo billig: ein Bier: 30 Cent, ein Sandwich mit Hühnchen, Gemüse, Soßen und allerhand undefinierbarem: 50 Cent, Nudeln mit Hühnchen und Gemüse, dazu eine Cola und Frühlingsrollen: 1,50Euro, ein zwei Tagestrip inklusive Übernachtung im Hotel, mehreren Bussen mit Fahrten um die 6 Stunden, Touren, Guides, Eintritte in Parks, Mekongfahrten und Essen: 26Dollar, eine Busfahrt in einem Schlafbus in dem man sich richtig hinlegen kann inklusive Wasser: 6Dollar. Da kann man echt nichts sagen. Ich war Kajak fahren, hab mich von 20Metern Wasserfällen abgeseilt, bin 11Meter über Klippen in die Tiefe gesprungen, hab einen Kochkurs besucht, bin auf dem Mekong geschippert, am Strand gefaulenzt, High Speed Tubing überlebt, in der Halong Bay geschwommen, durch Tunnel gekrochen, gefeiert und gutes Essen genossen, schwer krank gewesen, wieder erholt und wieder krank geworden, beim Ziplining Stärke gezeigt, billige Mangoshakes geschlürft, die Schrecken des Vietnamkriegs verarbeitet, im metertiefen Schlamm gebadet, auf Märkten geshoppt und knallhart verwandelt, mit Tuk Tuks gefahren, auf Rollern über Pässe gerauscht, Kaisergräber besucht und dunkle Höhlen erkundet. Ach und dann waren wir noch in Kambodscha. Hab es endlich nach Angkor Wat geschafft und es war faszinierend und bezaubernd. Da ich gerade zu faul bin um viel mehr zu schreiben, gibts jetzt erstmal ein paar erste Bilder und mehr kommt dann hoffentlich bald :)


Mekong Delta

Mekong Delta

Floating Market, Mekong Delta

11 Meter Sprung, Da Lat

Da Lat

Da Lat
Mui Ne

Mui Ne


Irgendwo zwischen Hoi An und Hue

Feiern mit Matty und Rik
Hai Van Pass

Kaiserpalast, Hue

Kaiserpalast, Hue

Kaiserpalast, Hue

Phong Nha

Paradise Cave, Phong Nha
Phong Nha

Halong Bay

Castaway Island, Halong Bay

Halong Bay Castaway Tour

Halong Bay Castaway Tour
Kambodscha

Angkor Wat

Angkor Wat

Angkor Wat

Angkor Wat

Angkor Wat

Angkor Wat